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Live @ JukeJoint Festival

Da waren wir nun am „Ground Zero“ des Blues in Clarksdale. Beim Juke Joint Festival wird in Bars und auf den Straßen Blues gespielt, was die Harps und Gitarren hergeben. Es gibt unzählige gratis open Air Konzerte, über 20 Indoor-Live-Locations und über 100(!) Blues Acts in 3 Tagen!


Vor Festival-Start

Am Tag vor dem eigentlichen Festival gab es schon mehrere kleine Konzerte, die wir besuchten. Unter anderem auch im eindrucksvollen New Roxy, wo uns Lena, die Besitzerin des Clubs wertvolle Tipps rund ums Festival gab. Ein Besuch in Deak Harps Shop war natürlich auch Pflicht, wenn wir schon mal hier waren. Deak ist nicht nur ein hervorragender Harpspieler, sondern bietet verschiedene Costumizingmodelle für Harps an.


Legendäres rund um Clarksdale

Da wir ja sowieso Pendeln mussten und den Spuren des Blues folgten, besuchten wir natürlich auch das Grab der Harmonica Legende Sonny Boy Williamson II in Tutwiler.

William Christopher „W. C.“ Handy, der Vater des Blues
Als W.C. Handy 1903 am ehemaligen Bahnhof in Tutwiler auf den Zug wartete hörte er „the weirdest music„, die er je gehört hatte: Ein lokaler Musiker spielte mit einem Messer Slide Gitarre zu „Goin’ where the Southern cross’ the Dog“. Daraus entstand später W.C. Handys „Yellow dog blues“. Handy publizierte diese Songs in dem neuen Stil und machte sie somit einem größeren Publikum zugängig.


1st Day @ Juke Joint Festival

Bestens gerüstet, schmissen wir uns nun endlich mitten ins Festival. Von nun an gabs Blues vom Feinsten – und zwar in allen Varianten. Beschreiben kann man dieses Festival wohl kaum. Es fühlt sich fast wie ein überdimensionales Familienfest an. Unser Highlight des Tages war das Konzert von Charlie Musselwhite, der im New Roxy spielte.


2nd Day @JukeJointFestival

Samstag war der Haupttag des Festivals und dementsprechend war die Stadt auch voll. Wir erstellten uns tatsächlich einen „Plan“, um möglichst viele Konzerte zu sehen. Es waren unfassbar viele Top-Musiker auf den Bühnen und Straßen der Stadt.

Where are you from?
Außerdem lernten wir jede Menge Leute kennen, weil man in den USA schnell ins Gespräch kommt. Wir trafen Bluesfans, die 2 Stunden zum Festival fuhren und solche, die 12 Stunden Fahrt auf sich nahmen – aber auch Festivalfans aus Deutschland wie Profifotograf Rolf und Renate und natürlich echte „Clarksdaler“ wie die Red Panther-Bierbrauer. Und alles absolut entspannt trotz der vielen Menschen.


Selfie-Time mit den Stars

Nicht nur die Besucher waren entspannt, sondern auch die Blues-Stars! Wir flanierten durch Clarksdale von einem Konzert zum anderen und trafen dabei auf Charlie Musselwhite, Rod Patterson, James „Super Chikan“ Johnson, Adam Gussow, Terry „Harmonica“ Bean und Deak Harp. Schon sehr lässig!


3rd Day @ Juke Joint Festival

Sonntags waren schon viele Besucher wieder abgereist, aber „gebluest“ wurde an diversen Plätzen und Bars noch immer. Unsere Highlights waren Rev. Peyton‘s Big Damn Band und Layla Musselwhite. Peter besuchte nochmals Mr. Deak Harp und „gönnte“ sich eine customized Harp.
Fazit: Wer auf Blues „steht“, muss das erlebt haben!


Shack Up Innein Hauch Geschichte

Bevor es wieder auf die Straße ging, checkten wir ins einzigartige Shack Up Inn ein. Das Gelände besteht aus renovierten Baumwollpflücker-Hütten und den dazugehörigen Gebäuden, die heute Lobby, Bar sowie Kunstgalerie sind. Absolut beeindruckend! Im Haupthaus gibt es regelmäßig Konzerte, Gitarren kann man sich fürs Jammen auf der eigenen Veranda ebenfalls ausborgen. Ach ja, das Shack up Inn ist auch Amerikas erstes B&B – Bed and Beer.


Auf den Spuren des Blues zwischen Clarksdale und Jackson

Mit unglaublichen Eindrücken stiegen wir also wieder in den Cadillac und zogen weiter nach Süden. Dabei durfte ein Besuch des Po Monkeys in Merigold nicht fehlen. Das in den 60er Jahren gegründete Juke Joint war bis zum Tod des Besitzers Willie „Po‘ Monkey“ Seaberry in 2016 geöffnet und eines der letzten im Mississippi-Delta. Leider wird es nicht erhalten und verfällt.


Der Geburtsort: Dockery Farms

Die Baumwollplantage und Sägemühle „Dockery Farms“ in Greenwood gilt als der Ort, an dem der Delta-Blues geboren wurde. Zu den in Dockery ansässigen Blues-Musikern gehörten unter anderem Charley Patton, Robert Johnson und Howlin‘ Wolf. Die über 2.000 Arbeiter wurden in eigener Währung bezahlt, die nur auf der Farm verwendet werden konnte. Es gab eigene Läden, ein Postamt, Schule, Arzt und eine Kirche. An Wochenenden wurde eben hinter der Farm Musik gemacht. Um dorthin zu gelangen, musste eine Brücke überquert werden, für die Überquerung musste in Dockery Währung bezahlt werden. Bei der Besichtigung trafen wir auf Bluesfans Livia aus der Schweiz und Benny aus Vorarlberg und teilten gleich die Eindrücke. Denn die Bluesmusik, die in den Räumen und auch im Freien aus den Lautsprechern kam, machte den Besuch noch authentischer und eindrucksvoller.


The real Crossroads?

Es ist bekannt, dass Robert Johnson diese Gegend bei Cleveland häufig besuchte. An der Kreuzung in der Nähe der Dockery Farms, nicht unweit des kleinen Friedhofs, soll er der Legende nach seinen berüchtigten Deal mit dem Teufel geschlossen haben. Das mussten wir selbstverständlich sehen. Experimentierfreudig stellte sich Peter daher kurzerhand mit der Harp auf die Kreuzung. Der Teufel kam zwar nicht, aber es war dennoch ein denkwürdiger Augenblick.


The spirit of B.B. King

Indianola ist B.B. Kings Heimatort. Hier befindet sich nicht nur sein Museum, sondern auch seine Grabstätte. Wir hatten wieder mal ausgesprochenes Glück, denn das Museum ist montags eigentlich geschlossen. Aber als wir hinkamen, war Carol, die den Shop betreut vor Ort und sie ließ uns in die Ausstellung. Quasi wieder eine VIP-Tour ganz für uns. So schlenderten wir durch die Räume und bekamen einen eindrucksvollen Einblick ins das Leben der Blues-Legende, das er als Riley B. King in einem der ärmsten Orte Amerikas, dem Mississippi-Delta begann und so unglaublich erfolgreich beendete. Und ja, wir waren schwer beeindruckt.


Robert Johnsons Grabstätte?

Von Robert Johnson gibt es drei Grabstätten. Laut Historikern und Familienmitgliedern soll sich das echte Grab aber bei der Little Zion Missionary Baptist Church bei Greenwood befinden. Es war absolut sehenswert, welche „Grabbeigaben“ bis heute dort abgestellt werden: Von Whiskey, Bier, Wein, Zigaretten bis hin zum Anzug.


Eine Zeitkapsel: Das Blue Front Cafe

Das Blue Front Cafe ist einer der letzten aktiven Juke Joints. Hier gibt es auch jetzt noch regelmäßig Livemusik. Der Besitzer Jimmy „Duck“ Holmes, den wir noch am Wochenende in Clarksdale bewunderten, war leider nicht da. Dafür erfuhren wir von Barfrau Brenda ein paar Anekdoten zur Bar, Gegend und Leuten. PS.: Hier gabs das günstigste Bier des gesamten Roadtrips. Außerdem hätte man auch eingelegte Schweinefüße kaufen können …